Segelsportverein Wiking e. V.

50 Jahre S.V. "Wiking" e.V.


(In der Gemeinde Weyhe - am Wieltsee - an der Mittelweser)

Der Chronist will nicht mit den vielen Döntjes langweilen, die jene Vorzeit zwischen Kriegsende und Währungsreform (1945-1948) zu gern in Erinnerung bringen, was heute viele gedanklich kaum nachvollziehen können, es sei denn, der eine oder andere war damals mit dabei. Kurzum, an schönen Sommersonntagen jener Jahre standen häufig Leute am Dreyer Weserufer, um den flußauf und -abfahrenden Booten zuzuschauen.

"Herrje, sind die wieder schief gesegelt. Und einer hatte sogar ein Radio im Boot!" - Nicht alle wollten aber nur zugucken, sondern selber mitmachen. So regte sich im Ruinengemäuer der schon seit Jahren verschwundenen Inselziegelei damals abenteuerliches Leben. Boote hatten halb versteckt Quartier in den Gewölben des alten Ziegelofens, liebevoll geputzt und lackiert. Schnell war man unten an der Weser. Die Viehtränke, damalige Einsetzstelle, gibt es heute noch. Manche Boote waren dicht, manche hatten ein Leck. Mit Muskel-, Wind- oder vereinzelt auch Motorkraft ging es voran. Die Seitenbord-Maschinenkraft (aus der Vorkriegszeit) der Marken "König", "Rotbart", "Sachs" oder "Effzett", war wegen des Lärms bei jenen verpönt, die nicht über sie verfügten. Wer aus welchen Gründen auch immer "verfügte", mußte sich zunächst Fachwissen über die technischen Sonderheiten sowie Benzin, Werkzeug und bald auch Ersatzteile beschaffen. Aber alle, die damals auf der Weser unterwegs waren, sagten mit glänzenden Augen, es sei unbeschreiblich schön gewesen.

In diese idyllische Szene platzten dann ein paar junge Leute aus Kirchweyhe, die zuvor schon auf der Ochtum unterwegs gewesen waren; sie transportierten ihre Kanus mit dem Fahrradanhänger zur Weser, genauer zur Insel. Mit dem Grundstückseigentümer schlossen sie über einen kleinen Streifen neben Otto Bergers Aalbude einen richtigen Pachtvertrag ab, rechneten und zeichneten. Für knapp 400 Mark entstand in Eigenarbeit ein kleines hölzernes Bootshaus mit dem Spruch über der Tür: "Gott schütze uns vor Sturm und Wind - und Menschen, die Halunken sind". Das war ein neuer Stil. Sonst änderte sich in jenen Frühlingswochen des Jahres 1949 nicht viel. Für das Bootshaus genügte der Status einer Interessengemeinschaft, der vier Erbauer - und für die Wochenendtouren auf der Weser dichte Zelte, Einfachverpflegung und gutes Wetter. Im Umgang mit den anderen Bootsfahrern - vorwiegend aus Bremen - lernte man aber auch feinere Unterschiede. Die bunten Wimpel an deren Booten waren nämlich Stander und signalisierten Zugehörigkeit zu einem Verbandsverein. Jene ohne Stander zählten zu den "Wilden". Man wurde sich schnell einig, den Weg der geordneten Verhältnisse zu gehen. Eine Änderung stand an, aber zunächst eine herrliche und erlebnisreiche gemeinsame Weserfahrt von Hannoversch-Münden bis Dreye. Ein Bootshaus bauen war ja relativ einfach, aber wie gründet man einen Verein? Schließlich wollten auch die Besatzungsmächte gefragt werden. In Bremen ist man da wohl toleranter. Mit Hilfe von Zeitungsleuten und dem Vorsitzenden des Landeskanuverbandes Bremen beschaffte man sich das nötige Wissen. (Bremen war damals nah und Hannover fern). So wurde denn

am 28. August 1949

die Gründung des Wassersportvereins "Wiking", Kirchweyhe, mit Satzung und Protokoll stehend freihändig vor dem Bootshaus vollzogen. Wolfhard Rau wurde 1. Vorsitzender, Karl Burhop Schriftführer und Martin Kortmann Kassenwart, Mitbegründer waren ferner Rolf Lange, Lenchen Finkenberg und Hanna Söfty. Man machte alles selber. Zunächst wurde der obligate Vereinsstander entworfen und angefertigt. Selbstgemalte Briefbogenköpfe beeindruckten ebenso, wie die selbstgenähte Vereinsflagge am weiß gestrichenen Mast, den man für 5 Zigarren erstanden hatte.

Eigentlich war man mit dem 1. Schritt zufrieden, wenn da nicht der Wunsch und die Möglichkeit nach Erweiterung gewesen wäre. Mit einer Spende von 50,00 DM wurde 1950 das Bootshaus um 2,50 Meter für 200,00 DM verbreitert. Jetzt hatte man Platz für zehn Boote!

In guter Erinnerung an die erste Gemeinschaftsfahrt wurde eine weitere Reise vorbereitet, mit wohlwollender Unterstützung von Fachkompetenz. Ziel war das Fuldaufer im kriegszerstörten Kassel. Auch diese Reise bis Dreye über Fulda und Weser gehört zum schönsten Erinnerungsschatz der Teilnehmer von damals.

Die Volkshochschule Bremen bot Eigenbaulehrgänge in Sachen Sportboote an. Der Landeskanuverband Bremen, in dem man Mitglied war, schrieb einen Jugendbootsbauwettbewerb aus. Bei den "Wikingern" war man heiß auf die superschnellen Rennsegelkanus. Jetzt wurde in den mageren Brieftaschen noch mehr gerechnet - aber wenn man sich dann gegenseitig hilft, dann könnte es klappen! Der große Schritt in die kleine aber rasante Segelei stand an. Drei schnittige Boote entstanden; jenes von Hans Bollmann erhielt sogar den 2. Preis im Jugendbootsbauwettbewerb!

Die Platzkapazität im Bootshaus war ausgeschöpft. Erweiterungsmöglichkeiten ließ der Pachtgrund nicht zu. Aber da stand noch das alte Maschinenhaus der Ziegelei. Das könnte man ausräumen, absichern und für die Bootslagerung herrichten. Auch der Eigentümer der Fast-Ruine hatte gegen eine Zweckumwandlung des Maschinenhauses keine Bedenken. Es wurde kräftig in die Hände gespuckt, die Maschinenteile in mühsamer Arbeit entfernt, die Fundamente mit Hammer und Meißel zerbröselt. Aber am Ende war es geschafft: Das Gebäude hatte Platz für 24 Boote. Auch kleine Jollen waren inzwischen dabei. Fast wäre bei den unvermeidlichen Erschütterungen ein Giebel ins Wanken geraten, aber Rolf Lange hatte den richtigen Blick und die richtige Mischung für eine stabile Putzschicht parat. Immerhin fand der inzwischen neugierige Verpächter seinen schon abgeschriebenen Besitz nach der schweißtreibenden Arbeit der "Winkinger" so schön, daß er gönnerhaft die Pacht saftig erhöhte.

Am 08.01.1952 wurde Rolf Lange 2. Vorsitzender und Hermann Kahle Schriftführer. Die frühen fünfziger Jahre waren nicht nur geprägt von intensiven Arbeitseinsätzen, um den Wassersport kostengünstig möglich zu machen, es gab bei vielen Gelegenheiten auch reichlich Spaß. Größere Gemeinschaftsfahrten führten 1951 und 1952 zum Steinhuder Meer, mit der Absicht, über den Meerbach bis Nienburg und von dort weserabwärts nach Dreye zu fahren. Das klappte aus zweierlei Gründen nicht: Einmal hätte man durchs Bombenabwurfgebiet der Briten fahren müssen, und zum anderen führte der Meerbach kaum Wasser. 1953 ging es noch einmal mit 24 Leuten und 12 Booten per LKW nach Kassel, und von dort über Fulda und Weser zurück nach Dreye. Die Zahl der Mitglieder wuchs, meist waren es Jugendliche. Das Bootshaus wurde schneller voll, als gedacht.

Der Zugang der ersten größeren Segelboote brachte wiederum neue Lösungserfordernisse ins Spiel. Geduldeter Liegeplatz am linken Ufer unmittelbar vor der Dreyer Weserschleife. Nachteile: Risiken durch Sog und Wellenschlag der Berufsschiffahrt. Die genehmigten Fahrtverminderungstafeln waren zwar groß - wurden aber gern übersehen. Die größeren Boote paßten auch nicht mehr ins Bootshaus. Es mußten anderweitige Winterquartiere und auch Transportmittel besorgt werden. Aus- und Einslippen erfolgte unter aufregenden Bedingungen. Abenteuerliche Konstruktionen entstanden, trotzdem stets auf Sicherheit bedacht. Am Ende packten viele Hände mit an - und es hat immer geklappt.

Beim benachbarten Segelclub "Niedersachsen-Werder" in Bremen machten sich Wolfhard Rau und Hermann Kahle beim dortigen Fachwart Erni Brennecke in Sachen Führerscheinwesen auf dem Wasser schlau, mit dem Ziel, im eigenen Verein entsprechende Schulungen durchzuführen.

Die Ziele der sommerlichen Fahrten, ob per Kanu oder Segelboot, hatten andere als bis dahin gewohnte Dimensionen, besonders die Kanuten waren in verschiedenen europäischen Regionen unterwegs. Es gab unvergeßliche Sommerfeste im damaligen Fährhaus Bollen und Kostümfeste in Weyher Lokalen - echte Höhepunkte.

Am 15.01.1954 wurde Ernst Peters 2. Vorsitzender und am 18.03.1956 1. Vorsitzender. Im Sommer 1956 quoll die Weser nach wochenlangen Regenfällen über. Das Hochwasser reichte bis an den Winterdeich. Der Bereich der "Insel" zwischen neuer und alter Weser war nun eine echte Insel! Es entwickelte sich ein Zubringerdienst. Die Boote wurden von dem gefährdeten Liegeplatz zum höhergelegenen Teil des Ziegeleigeländes verholt, und es wurde im Überschwemmungsbereich kräftig gesegelt, wo ansonsten die Kühe grasten.

Mit der Mitgliedschaft im Deutschen Seglerverband, im Fachverband Segeln Bremen und im Niedersächsischen Seglerverband nahm auch die Schulung der aktiven Mitglieder ernsthafte Formen an: 25 Kursteilnehmer erwarben nach einer eifrigen Büffelei den Segelführerschein A mit Zusatzkenntnissen für den Bereich der Seeschiffahrtsstraße bis Bremerhaven. Die vormalige Gemeinde Kirchweyhe stellte einen Klassenraum zur Verfügung, und der Chronist erinnert sich gern, daß seine Schüler lernbereit und "brav" waren.

Das Jahr 1957 brachte wesentliche Veränderungen. Horst Garbsch wurde 1. Vorsitzender, Karl Burhop 2. Vorsitzender, Herbert Tzschoppe Kassierer, Schriftführerin Mariechen Finkenberg. Zeitweise existierte "Die Brücke" als Vereinszeitung. Mit dem Wasser- und Schiffartsamt Bremen wurden Verhandlungen über die Pachtung des alten Dreyer Hafens als neues Domizil für Segel- und Motorboote eingeleitet. Die Mitglieder der Kanuabteilung verließen den Wassersportverein "Wiking", behielten zunächst das Bootshaus auf der Insel; 1960 bauten sie ein neues Bootshaus (am Gerlandsweg), da beabsichtigt war, die Insel zur Kiesgewinnung abzubaggern. Die Wiking Faltbootwanderer e.V. haben seitdem ihre eigene Entwicklung. Am 26.08.1958 wählte eine außerordentliche Versammlung Wolfhard Rau erneut zum 1. Vorsitzenden, Hermann Kahle wurde 2. Vorsitzender, Gottfried Lange Schriftführer und Heinz Cohrs Kassenwart. Im Herbst fand ein weiterer Führerscheinkursus in der Kirchweyher Schule mit gutem Erfolg statt. Schwierigkeiten gab es bei dem Versuch, den Wassersportverein ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Eine Namensänderung war unvermeidbar, und deshalb firmiert der Verein sei dem 3.4.1959 "Segelsportverein "Wiking" e.V., Kirchweyhe. Zum zehnjährigen Bestehen fand erstmalig eine Segelregatta der Wikinger statt. Im Herbst gab es erstmalig im Vereinslokal Fritzemeyer das Labskausessen als festliches Ereignis.

Im Rahmen der vielen Veranstaltungen anläßlich des 1100-jährigen Bestehens der Gemeinden Kirch- und Sudweyhe, wurden in einem Sonderseinsatz einige Boote in Dreye an Land gehievt, für die Dauer eines Ausstellungstages nach Kirchweyhe und anschließend zurück zum Dreyer Hafen gefahren. Seit 1960 ist der Bremer "Sportschipper" für alle Mitglieder offizielles Mitteilungs- und Informationsblatt.

1961 löste ein Geheimtip eine ungeahnte Lawine von Aktivitäten aus: Im Bremer Hafengelände sollte das Areal der Jute planiert werden. Die hölzerne Kantinenhalle stand aus irgendwelchen Gründen noch, sollte aber auch in der nächsten Woche platt gemacht werden. Vielleicht könnte man ja noch etwas Baumaterial, wie Fenster und Türen fürs ideell schon geplante Bootshaus sicherstellen? Die "Wikinger" sahen die Halle, es gab ein paar heiße Telefonate, Leute wurden aus dem Stand zusammengetrommelt. "Die Halle auf Abbruch verkaufen?" Der Bauunternehmer winkte ab, das würde mehr als drei Wochen dauern und die Gesamtplanung in Verzug bringen. Es wurde weiter gebettelt und verhandelt, da waren die ersten Spezialisten schon auf dem Dach der riesigen Halle. Ein gequältes "Na ja" verknüpft mit dem Hinweis: Aber nächste Woche kommt der Schieber! In Scharen kamen Helfer herbei. Die Halle begann sich langsam aufzulösen. Die Bauteile wurden sorgfältig für den Abtransport nach Dreye gestapelt. "Nägel können wir später ziehen, so geht es schneller!" Am nächsten Tag standen nur noch wenige Teile. Der Wind half ein wenig mit, und der Rest fiel ohne viel Schaden zu nehmen, in sich zusammen. Mittags begann man mit dem Zusammentragen und gleichzeitig mit dem Abtransport. Abends war es geschafft!

Bis zum Bootshaus war es dennoch ein weiter und mühsamer Weg. Vom Vereinswirt August Fritzemeier wurde zunächst ein Grundstück gepachtet. Die Planung des Wiederaufbaus leitete Werner Ahrlich. Nach 2500 Arbeitsstunden stand die Halle wieder und zwar als Bootshaus! Erfreulicherweise gab es damals noch Zuschüsse von Kommunen und Verbänden, so daß die Halle 1962 auch noch einen Betonboden erhielt. Auch sportlich geriet der Verein in die Schlagzeilen: Gerd Ahrlich segelte mit seiner H-Jolle "Shanty" von Dreye nach Bremerhaven, übers Watt zur Elbe zum Nord-Ostsee-Kanal, ließ sich bis Kiel schleppen, und segelte 831 Kilometer mit seinem Vorschotmann bis Neustadt in Holstein. Dafür bekam er die Bronzeplakette des Deutschen Seglerverbandes.

Am 5. Oktober 1962 wurde das Bootshaus offiziell eingeweiht. Die Vervollständigung hatte zwei Jahre gedauert. 1967 beschloß der Verein, das Bootshausgrundstück zu kaufen. Das Vereinsleben entwickelte sich, die Mitgliederzahlen stiegen. Um dem Dreyer Sportverein die Anlage eines Sportplatzes zu ermöglichen, stimmte die Versammlung 1968 einem Geländetausch zu. 1969 kletterte die Mitgliederzahl über 100. Erneut wurde in Bremen eine hölzerne Lagerhalle abgebaut, weil das Bootshaus inzwischen wieder zu klein geworden ist. Zunächst, im Winter 1970 beginnt eine Arbeitsgruppe mit dem Bau von Optimisten-Jollen für die Jüngsten. Inzwischen laufen Verhandlungen über einen möglichen Durchstich vom Wielt-Baggersee zur Weser, der Bootshafen ist hoffnungslos überfüllt. Zunächst wird mit dem Material der 1969 abgebauten Halle neben dem ersten ein zweites Bootshaus gebaut, das im Herbst 1972 eingeweiht wird!

Zum Saisonausklang führte die Jugendabteilung mit den neuen Optimistenjollen ihre erste Wettfahrt durch, als gutes Omen für das Jahr 1973. Mit dem Durchstich zwischen Wieltsee und Weser erschloß sich für viele Wassersportler die Möglichkeit, sichere Liegeplätze einzurichten. Für die "Wikinger" bedeutete es zunächst Arbeitsgruppen zu bilden, um 120 Meter Schwimmstege zu bauen, die im Herbst an Land gebracht und im Frühjahr wieder im See verankert werden. Zum Saisonbeginn 1973 schwammen alle Boote bereits im Wieltsee. Im Herbst stellten die benachbarte Segelabteilung des Postsportvereins Bremen und der Segelsportverein "Wiking" ihre selbstgeschaffenen Anlagen der Öffentlichkeit vor.

Inzwischen hatte Erni Brennecke 18 Skipper erfolgreich auf das Küstenschifferpatent getrimmt. Die Ziele waren entsprechend. Eine Versammlung beschloß, Ernst Brennecke wegen seiner Verdienste um das Führerscheinwesen im Verein die Ehrenmitgliedschaft anzutragen.

Im Jahre 1974 wurden 146 Mitglieder registriert, Wettfahrten, Wanderfahrten, Führerscheinkurse, die Jugendgruppe war aktiv. Text zum 25 Jubiläum 1975 mußte wegen Liegeplatzmangel eine Aufnahmesperre für Erwachsene erlassen werden, Jugendliche wurden weiter aufgenommen. Seit zehn Jahren leiten Wolfhard Rau, Hermann Schierenbeck, Dieter Kopzog und Ernst Schmidt unverändert als gutes Team die Geschicke des Vereins. 1977: Anbau an Halle II hinterm Vereinslokal. Kupferfarbe als Unterwasseranstrich wurde aus Gründen des Umweltschutzes verboten und im Ernstfall mit Vereinsausschluß geahndet.

Punkt 8 behandelte den Kauf eines Vereinsheimes. Ernsthaft im Gespräch war der Ankauf einer noch auszubauenden Schute als Vereinstreffpunkt im Wieltsee - oder ein Holzhaus auf Pfählen? Das Problem ließ sich nicht so rasch lösen, zumal viel Behördenkompetenz mitspielte. Ende Februar 1979 feierte man im Vereinslokal Erlebach ein "rauschendes" Kostümfest. Beim Labskausessen im November an gleicher Stelle gab es nicht nur Siegerpokale, sondern auch Blumen für die wackeren Vorschotfrauen und silberne Ehrennadeln für 25-jährige Mitgliedschaft für die "Jungs von damals": Reinhard Lange, Dieter Rahe, Reinhard Ahrlich und Gerd Ahrlich. Am Wieltsee dient inzwischen ein "blockhausähnlich verkleideter" Bus als Unterstellmöglichkeit für Geräte, Segel und Jugendboote und gelegentliche Klöntreffs.

Die Saison 1981 wurde mit Böllerschüssen eingeleitet. In Tenby an der englischen Südwestküste wurden Rolf Donant und Gunther Froese in der Javelin-Klasse Europameister! Vier Starts, vier Siege, da staunten sogar die Engländer.

Eckehard Lange, der über Jahre mit Ehefrau Heide die Jugendarbeit des Vereins mit Aktivitäten ausfüllte, erhielt im November die silberne Ehrennadel für 25-jährige Mitgliedschaft. In der Hauptversammlung vom 12.01.1982 berichtete Wolfhard Rau über die inzwischen erfolgte Genehmigung für den Bau des Boots- und Gerätehauses am Wieltsee. Es seien auch bereits die Fundamente und das Stahlgerüst erstellt worden. Die Restmontage sollte bei besserer Witterung erfolgen. Ferner wurde ein Traktor für Bootstransporte angeschafft und die Steganlage erneut erweitert. Ende Januar erlebte der benachbarte Postsportverein einen herben Verlust: Die seit neun Jahren als Vereinsheim genutzte "Stadt Bremen" sank - vermutlich durch Eisdruck -. Ende März wurde das Wrack im Rahmen einer THW-Übung gehoben und abgewrackt. Bei den "Wikingern" wurde die Saison erneut mit der Böllerkanone eröffnet. Das Bootshaus nahm im Mai schon sichtbare Konturen an.

Die Rohbauabnahme konnte erfolgen. Rolf Donant wurde mit seinem neuen Steuermann Roland Gäbler vom OSV in Holland bei der Europameisterschaft der Javelins 3.

Die Narben des Winterhochwassers wurden beseitigt, Gras neu eingesäht und Schilf am Ufer gepflanzt. In einer Rekordzeit von 4 Stunden wurden im Frühjahr 1993 53 Boote am alten Dreyer Hafen zu Wasser gelassen. Am 13. August feierten fünf Mittelweservereine gemeinsam am Wieltsee ihr Sommerfest. 1984 meldete die Jugendgruppe rege Aktivitäten. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10.09.1985 beschloß der Verein die Hofüberdachung zwischen den beiden Bootshäusern bei Erlebach. Ansonsten berichteten Peter Kappel und Karl-Heinz Steingrube über Regatten und Motorbootwettfahrten, während Jürgen Sandkuhl das Thema Arbeitsdienst auf Flamme hielt.

Beim Labskausessen im November wurde Wofhard Rau durch den Vorsitzenden des Gemeindesportringes Weyhe Hubert Dudziak mit der goldenen Ehrennadel des Sportringes ausgezeichnet: 36 Jahre stand er nunmehr an der Spitze des Vereins. In der Hauptversammlung am 21.01.1986 berichtete Eckehard Lange letztmalig als Jugendwart über die Vergabe von 11 Sportbootführerscheinen an den Seglernachwuchs, ferner über die Teilnahme am Jugendseglertreffen in Duisburg. Andrea Meyer und Christian Gollner bauten inzwischen eine Opti-Segelgruppe auf. Frank Kuhnert wurde neuer Jugendwart. Im Frühjahr gab es Schwierigkeiten beim Auslagern der Steganlagen und der Boote. Das Frühjahrhochwasser hatte die Wieltsee-Einfahrt versandet. Flache Boote schleppten die Schiffe mit Tiefgang, und jene wurden in Schräglage über die Untiefe bugsiert. Dabei hatte man auf dem Landwege zum Dreyer Hafen gerade einen neuen Rekord aufgestellt: In dreieinhalb Stunden waren alle 60 Boote im Wasser!

In der Jahreshauptversammlung am 20.01.1987 wurde berichtet, daß sich die Hofüberdachung usw. leider zerschlagen habe. Ansonsten sah man optimistisch in die Zukunft. Die Hafenausfahrt zwischen Wieltsee und Weser blieb trotz Baggereinsatz problemreich. Zu der sprichwörtlichen Handbreite Wasser reichte es bei manchen Booten nicht. Zur Frühjahrswettfahrt herrschte bestes Segelwetter auf der Weser. Die Wettfahrtleitung lag in den Händen von Lore Kwinkenstein, Karin Kappel und Elke Hummels; und es klappte alles vorzüglich! Aufgenommen wurde im Mai die Zusammenarbeit mit der AG Segeln der Kooperativen Gesamtschule Weyhe-Leeste und ihrem Projektleiter Rainer Neumann. Der Verein stellte den Jugendkutter "Titanic" zu Verfügung. Während der Sommerferien war der Kutter mit 16 Opti-Jollen an der Schlei.

Ansonsten reger Wettfahrtbetrieb. Laut denken im August Kommunalpolitiker über die unterschiedlichen Interessenlagen im Vordeichsgelände nach. Es wird verstärkt Naturschutz gefordert. Im Herbst segeln 18 "Wikinger" mit einem holländischen Klipper auf dem Ijsselmeer.

Im Verlauf der Jahreshauptversammlung im Januar 1998 wurde Vorsitzender Wolfhard Rau in Würdigung seiner fast vierzigjährigen Vorstandstätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt, ohne ihn von seinem verantwortlichen Amt zu entbinden. Im Februar hielt Einhand-Weltumsegler Wilfried Erdmann über die Reise seines Lebens einen Dia-Vortrag bei starker Resonanz in Dreye. Im Sommer gab es ein Ehemaligen-Treffen auf der Weser mit der starken Erinnerung an jene Ereignisse, die früher ganz anders waren. Der Vorsitzende des Kreissportbundes Walter Link überreichte die silberne Ehrennadel des Landessportsbundes Niedersachsen an Dieter Kopzog und Ernst Schmidt. Vielleicht sollte man solche Ehrungen auch als stellvertretende Anerkennung für die zahlreichen übrigen - auch hier nicht genannten - Helfer und stillen Mitarbeiter sehen, ohne die ein Vereinsbetrieb mit seinen vielschichtigen Anliegen und Aufgaben nicht leben kann.

Man pflegte nicht nur ein harmonisches Innenleben der Sportgemeinschaft, sondern sei auch um gutnachbarliche Kontakte zu den andern Wieltsee-Vereinen und zu jenen im Weser-Revier bemüht, sagte Wolfhard Rau im Januar 1989 vor der Jahreshauptversammlung. Das Ergebnis sei ein nützlicher Erfahrungsaustausch. Im Rahmen der Jugendarbeit wurden inzwischen Schüler der Kooperativen Gesamtschulen Leeste und Brinkum und des Bremer Gymnasiums "Am Barkhof" mit dem Segeln vertraut. Reiner Neumann von der KGS Weyhe-Leeste konnte als Jugendwart gewonnen werden. Das 40-jährige Bestehen des Vereins warf seine Schatten voraus: Termin - 26.08.1989 - am Wieltsee. Der Festausschuß bekam gut zu tun. Der Weyher Umwelt- und Naherholungsausschuß, ließ Experten der Bremer Planungsgruppe "Grün" unabhängig über die Grünflächen in der Gemeinde referieren, wozu auch das Dreyer und Sudweyher Vordeichsgelände an der Weser zählt. Die Experten plädierten für eine Einschränkung der wassersportlichen Aktivitäten, um eine klare Grenze zwischen Biotop und Erholungsgebiet zu haben.

Im April wurden, wie in vielen Vorjahren, Steganlagen und Boote zu Wasser gelassen und im Wieltsee festgemacht. Am Anfang der Vereingsgeschichte paßten die Mitglieder noch in eine Taxe, im Jubiläumsjahr platzte alles aus den Nähten. Die Gemeinde Weyhe werde sich den Belangen des Wassersports in vernünftigen Bahnen keineswegs verschließen, versicherte Bürgermeister Heinrich Klenke in Anwesenheit vieler Ehrengäste. Hans-Otto Busche, Vorsitzender des Fachverbandes Segeln, brachte die überraschende Nachricht mit an den Wieltsee, daß die Mitglieder Klaus Lankenau und Sohn Dirk in der Javelin-Jollenklasse in Frankreich die Europameisterschaft gewannen.

Im September Aufregung über kerosinverseuchte Erdanlieferungen am Wieltseeufer. Selbst die Kripo schaltete sich ein. Die Herbstwettfahrt des S.V. "Wiking" auf der Weser war ein voller Erfolg, hieß es während des Laubskausessens im November, zu dem auch Gäste aus der damaligen DDR willkommengeheißen wurden.

1990 sei es weitgehend um die Erhaltung und Verbesserung der Vereinsanlagen gegangen, hieß es in der Hauptversammlung im Januar 1991. Am Wieltsee seien Bäume und Sträucher gepflanzt worden. Besonderer Dank galt dem neunzigjährigen Herrn Hube, der unermüdlich helfend am Hafen tätig gewesen sei. Termingemäß wurden im Frühjahr die Stegsegmente im Wieltsee montiert. Zwei Wochen später folgen die Boote, die über Winter an den Liegeplätzen an Land für die neue Saison vorbereitet wurden. Ende August startete Jugendwart Rainer Neumann eine Optimisten-Regatta der Jüngsten auf dem Wieltsee. Beteiligt waren der Bootssportverein Achim-Thedinghausen, der Wassersportclub Ochtum, die Segelarbeitsgemeinschaften der KGS Weyhe-Leeste und Butjadingerstraße aus Bremen. DM 12.000,00 zahlte die Vereinskasse anteilig für die Nachbaggerung und Uferbefestigung der Wieltsee-Ausfahrt. Gegen die Absicht, das Dreyer Vordeichsgelände unter Landschaftsschutz zu stellen, wurden Einsprüche gestellt, um die Zufahrt und Nutzung des alten Dreyer Hafens sicherzustellen. Da die zweite Bootshalle wegen Grundstückstausch mit dem Sportverein auf Pachtgelände steht, muß wegen des Vertragendes 31.12.1994 über die Verlängerung verhandelt werden.

In der Jahreshauptversammlung am 21.1.1992 wurde der bisherige engere Vorstand einmütig wiedergewählt: Wolfhard Rau 1. Vorsitzender, Ernst Peters 2. Vorsitzender, Ernst Schmidt Schriftführer, Dieter Kopzog Kassenwart, ebenfalls der Ehrenrat: Horst Wegwerth (Vorsitzender), Fritz Rümke, Kurt Niemeyer, Werner Hummels und D. Gellendin. Die Fachwarte werden einvernehmlich mit den jeweiligen Gruppen vom Vorstand ernannt: Jugendwart Rainer Neumann, Segelobmann Wilfried Glitz, Motorbootwart Karl-Heinz Steingrube, Arbeitsdienstleiter Jürgen Sandkuhl, Festwart Ernst Fricke. Heinz Dörgeloh und Hermann Schierenbeck wurden Kassenprüfer.

Eine Weservertiefung von Minden bis Bremen ist in Planung, um Europaschiffen auch bei Niedrigwasser die Frachtfahrt zu ermöglichen.

Das Neubauamt Minden plant bei Uferrückverlegungen an engen Flußkurven betroffene Auwälder neu anzulegen und mit dem Baggergut Feuchtbiotope zu gestalten. Man arbeitete eng mit den Naturschutzbehörden zusammen.

Angang 1993 schafft die Firma Bultmann einen neuen Saugbagger für den Wieltsee an, der bereits im April die Arbeit als Sand- und Kiesbagger aufnehmen soll. Die Wassersportvereine am See erinnerten sich, daß sich durch den Baggereibetrieb inzwischen 20 Jahre ruhige und geordnete Liegeplätze an ihren Steganlagen haben und damit eine ideale Voraussetzung für ihren Sport. Im August feiern die fünf Anliegervereine ein dreitägiges Geburtstagsfest mit Disco, Kinderfest, Optimisten-Regatta, Festball und einem gepflegten Frühschoppen mit der "Brass Company". Ende der 60er Jahre entstand die Kiesgrube am ehemaligen Sudwyher Wieltberg. Schwierigster Brocken im Genehmigungsverfahren war die Zufahrt zur nahen Weser.

Ansonsten war die Saison 1993 nicht sehr berühmt hinsichtlich des Wetters. Aber es gibt eben kein schlechtes Wetter - nur unpassende Kleidung. Nord- und Ostsee, Nordholland und Dänemark standen auf dem Tourenprogramm.

In der Jahreshauptversammlung im Januar 1994, berichtete der Vorsitzende, daß der Pachtvertrag für das Grundstück der Lagerhalle II fristgemäß gekündigt worden sei. Analog mußte der Segelsportverein dem Dreyer Sportverein, dessen Sportplatz z.T. auf "Wikinger"-Grund liegt, ebenfalls kündigen. Gegen die Planung, das gesamte Sportplatzgelände als Wohnbaugebiet auszuweisen, wurde Einspruch erhoben. Für den Verein gehe es um existentielle Fragen. Man werde die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Vorsorglich wurden mit dem Eigentümer einer Halle in Dreye Gespräche über die mögliche Winterlagerung von Booten geführt. In einer Mitgliederversammlung am 19. März wurde mehrheitlich beschlossen 540 qm Lagerfläche auf vorläufig fünf Jahre in Dreye, Am Deich 1, anzumieten. Gleichzeitig wurden die Beiträge der Aktiven, Jugendliche ausgenommen, kräftig erhöht, um die Mehrbelastung aufzufangen. Wegen des Hochwassers im Vordeichgelände sei eine Verschiebung der Auslagertermine möglich, hieß es.

Im Juli 1994 konnten die Dreyer Sportler aufatmen: Der Weyher Sport- und Kulturausschuß des Gemeinderats gab grünes Licht für ein Sportnebenzentrum zum Ortsteil. Dazu zählen eine Sporthalle mit Sanitär- und Umkleideräumen, eine Squash-Halle, ein Fußballplatz und Bootshallen sowie Parkplätze und Lärmschutzwälle. Voraussetzung sei jedoch die Genehmigung des Flächennutzungsplanes und die anschließende Aufstellung eines Bebauungsplanes. Im Januar 1995 hieß es in der Hauptversammlung, der Flächennutzungsplan sei abgelehnt und daher das Sportneben- zentrum weiterhin im Schwebezustand. Der Pachtvertrag für das Grundstück der Bootshalle II wurde mit halbjährlicher Kündigungsklausel erneuert. Bei den Vorstandswahlen schied Ernst Schmidt als Schriftführer aus, ein Amt, das er seit 1962 innehatte, daneben hat er vielen Mitgliedern das Segeln beigebracht, etliche Führerscheinkurse durchgeführt, er fungierte als Prüfer des DSV und verwaltete den Verein mit einem PC. Ihm galt herzlicher Dank. Neuer Schriftführer wurde Hans-E. Budde. Die übrigen Vorständler wurden im Amt bestätigt. Der Flächennutzungsplan mit dem Dreyer Sportzentrum aber ohne den Wieltsee wurde genehmigt. Ein Jahr später erhoben sich die Versammlungsteilnehmer im stillen Gedenken an die inzwischen verstorbenen Kameraden Ernst Schmidt, Piet Scholten und Klaus Stuhldreier. Heinz Cohrs und Ernst Peters erhielten die goldene Ehrennadel des Vereins. Zu der Grundstücksangelegenheit gab es keine neuen Erkenntnisse, allerdings habe die Gemeinde beschlossen, für den Wohn- und Sportbereich einen Bebauungsplan aufzustellen.

Im Frühjahr 1996 wurden die Boote, wie in all den vielen Jahren zuvor, am Dreyer Hafen zu Wasser gelassen und stromauf zum Wieltsee geschippert. Der Kreissportbund überraschte unseren Vorsitzenden mit der goldenen Ehrennadel des Landessportbundes Niedersachsen mit einer Laudatio, die der LSB-Präsident Günther Volker persönlich vornahm. Der S.V."Wiking" revanchierte sich aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Kreissportbundes mit einem "Tag der offenen Tür" am Wieltsee.

Ende Juni stellte die Gemeinde Weyhe ihren Bürgern die Planungen zum Bebauungsplan 28 - 61/75 Sportnebenzentrum Dreye vor, eine Fläche zwischen Dreyer Straße, Kirchweyher Straße, Zweiter Gang und Auf dem Damm. Der Plan beinhaltet ein Wohngebiet, einen Sportbereich und ein 1,8 Hektar großes vorwiegend grünes Mischgebiet. Im 1 Hektar großen Wohngebiet ist ein Kindergarten geplant und zwar auf dem jetzigen Sportplatz, so daß zunächst die Sportanlage fertiggestellt werden muß, was wiederum im Bereich unserer Bootssporthallen geschehen soll. Erhebliche Veränderungen stehen also in nächster Zeit an. Die Verhandlungen werden nicht einfach sein und der Neubau von zwei Bootshallen wohl auch nicht.

Unabhängig von solchen Überlegungen ging die Saison 1996 zu Ende. Im September hieß es noch einmal "Segeln, Kegeln, Schießen", wie seit zwanzig Jahren mit großer Begeisterung. Eine Gruppe von etwa zwanzig Seglern absolvierte Anfang Oktober auf dem Ijsselmeer in Holland auf dem Klipper "Welvaart" eine erlebnisreiche 11. Reise unter 360 qm Segelfläche.

Im Januar 1997 erschienen 80 Mitglieder zur Hauptversammlung. Der Vorsitzende berichtete, daß die Jugendlichen ab 16 Jahre freiwillig am Arbeitsdienst teilnehmen. Neben der Kooperativen Gesamtschulen Leeste und Brinkum wird auch die neue KGS Kirchweyhe mit einer Segelarbeitsgemeinschaft am Jugendsegeln teilnehmen. Im April bekam der inzwischen weithin beliebte "Deichgraf" im Dreyer Hafen für ein paar Stunden lebhafte Gesellschaft, als die tonnenschweren Boote mit einem Autokran ins Wasser gesetzt wurden. Zum Glück hatte sich der Sturm des Vortages gelegt. Auch die Überführung zum Wieltsee verlief problemlos.

Im Mai taufte die KGS Kirchweyhe mit ihrem Direktor Peter Bennemann und dem Fachlehrer Gerd Breternitz am Jugendsteg drei ihrer Jollen. 16 Schüler zwischen 10 und 14 Jahren waren mit Feuereifer dabei, Wenden, Halsen und das richtige Gespür für den Wind zu erlernen!

Sport könne ohne seine Funktionäre nicht funktionieren, sagte Kreissportbundesvorsitzender Walter Link in Barnstorf als er u.a. Wolfhard Rau den Ehrenbecher des Keissportbundes überreichte.

Im Juni kam eine Schülergruppe der Realschule Thedinghausen zum S.V. "Wiking" an den Wieltsee, um unter sachkundiger Leitung ihrer Lehrer Segeln in Theorie und Praxis zu erlernen. Ebenfalls im Juni war eine Jugendgruppe vom benachbarten Segelclub "Niedersachsen-Werder" aus Bremen zu Gast bei den "Wikingern".

Am 30. August fand das Sommerfest statt. Am 11. Oktober wurde die Saison mit dem Abschippern auf der Weser beendet. Bei den Weser-Herbstwettfahrten gewann Thomas Bröker mit seiner Jolle "Slow Motion" das Blaue Band als schnellstes Boot. Er wurde übrigens "Sportler des Jahres" in Weyhe.

Im Winter wurden verschiedene Kurse angeboten, bis es in den Bootshallen wieder nach Farbe und Lack duftete, und die Steganlagen und Boote wieder dem nassen Element übergeben wurden.

Im April wurden die Wassersportverbände munter, als der Naturschutzbund forderte, den toten Weserarm zwischen Baden und Intschede für jegliche Sport- und Freizeitaktivitäten zu sperren. In gemeinsamer Stellungnahme hieß es von Seiten des Wassersports, daß das genannte Revier auch schon in jener Zeit von Seglern, Ruderern, Kanuten und Motorbootfahrern angesteuert wurde, als bis in die 60er Jahre der Weserarm noch nicht "tot" war. Die Behörden verpachteten sogar Buhnen für Freizeitaktivitäten, um den Schiffahrtskanal von der Sportschiffahrt freizuhalten. Auch der "tote Arm" sei nach wie vor Teil der Bundeswasserstraße: hieß es, als man deutlich Mitsprache als Betroffene einforderte.

Die Frühjahrswettfahrt hätte mehr Wind vertragen. Es gewannen die "Flautenfüchse". Den Europacup in der Javelin-Klasse sicherte sich erneut Thomas Bröker. Gratulation! Silberne Ehrennadeln gab es beim traditionellen Labskausessen für acht Mitglieder, die dem Verein 25 Jahre die Treue hielten.

Inzwischen hat die Jahreshauptversammlung am 19.01.1999 stattgefunden. Das Jubiläumsjahr ist angebrochen. Die Aufgabenstellung ist geblieben. Bisher war die Vereinsphilosophie auf überschaubare Rahmenbedingungen abgestellt, und man hat erstaunliche Ergebnisse nach dem Motte: "Dat mokt wie sülmst", erreicht. Die ständige Frage, wohin mit den Booten? - ob im Wasser oder an Land - hat den Segelsportverein "Wiking" e.V. fünfzig Jahre, trotz grau gewordener Haare der Akteure, erstaunlich jung gehalten. Durch richtige Einschätzung und beherztes Anpacken kam man voran. Die beispielhafte Selbsthilfe brachte als positives Echo auch dankbar angenommene ideelle und materielle Hilfe von außen. Was die Zukunft bringen wird, ist noch ungewiß. Anstehende existentielle Fragen wird man mit kühlem Kopf angehen müssen, das ist man der nachwachsenden Generation schuldig.

Viele haben mitgeholfen, den heutigen Stand zu erreichen. In den vorliegenden Zeilen ist der eine oder andere Mitwirkende stellvertretend für andere namentlich erwähnt. Alle immer wieder zu nennen, wäre schwierig geworden. Der Chronist, der ein Paket mit Vereinsunterlagen durchstöberte, hat sich auch in der Ferne gern an die aufregend schönen Jahre an der Weser erinnert und wünscht kleinen und großen "Wikingern" allzeit gute Fahrt!

Hermann Kahle Januar 1999 Waldkirch/Breisgau







Was da noch so war...

Früher war die Fahrt nach Bremerhaven gleichbedeutend mit einem Besuch bei Lehrke. Lehrke ist ein Speiselokal direkt an der Geeste. Wir kamen von Wangerooge, es war ein langer Tag gewesen und nur ein Besuch bei Lehrke hielt die Mannschaft noch bei Laune. Durch die Tide und andere Umstände waren wir erst um 23.00 Uhr an der Geeste fest und Lehrke hatte schon geschlossen. Jogi war am Meckern, er hätte Hunger. Alfred machte ein paar Dosen auf und Linseneintopf warm. Als das Essen auf den Tisch kam, sagte Jogi, er hätte keinen Hunger mehr und auf Linsensuppe schon gar nicht. Da schmiß Alfred wutentbrannt das Essen über Bord und die ganze Mannschaft ging hungrig in die Koje.

Später, es muß im Morgengrauen gewesen sein, ging ein Boot längsseits und bei uns an Deck ging ein großes Getöse los. Da muß jemand Clogs angehabt haben. Alfred riß die Vorluke auf und schrie in seiner charmanten Art: "Könnt ihr nicht etwas leiser sein?" Antwort: "Halt die Schnauze du Arschl... Der Krach ging weiter. Da schmiß der Schipper Gert den Schlafsack beiseite und tönte groß: "Jetzt ist es aber genug!" Er riß das Schiebeluk auf... Da muß wohl die Frau von dem Nebenlieger gestanden haben, denn unser Schipper säuselte: "Guten Morgen, ist alles in Ordnung? Habt ihr gut beigelegt?" Darauf machte er die Luke wieder dicht und kroch in seinen Schlafsack. Wir waren alle baff. Kommentar des Schreibers: Du bist ein ganz schöner Täuscher!

Samstags nachmittags im Winter im Bootshaus. Ab und zu muß man sich einmal etwas aufwärmen. Dies geschieht mit Hilfe von Grog. Plötzlich sagte einer: "Mensch ich muß nach Hause, Essen kochen." Ein anderer sagt: "Ist deine Frau denn nicht da?." Der Erste: "Nein, die hab ich heute morgen zur Kur geschickt." Der Zweite: "Mein Gott, lohnte das denn noch?" Das Zwiegespräch ging noch etwas weiter, aber das wollen wir lieber nicht schreiben. Auch Namen werden nicht genannt.

In den 50er Jahren, als das alte Fährhaus in Bollen noch stand, hat der Verein sein Sommerfest oft dort gefeiert. Der angebaute Saal hatte Schiebefenster, die man noch öffnen konnte. Das war für eine Polonäse sehr beliebt, zum einen Fenster raus, zum anderen Fenster wieder rein. Manchmal hatten wir eine Kapelle, meistens aus Kostengründen nicht. Dann hatte der Wirt, Bormanns Vadder, eine Musikbox. Dies war eine Box der alten Art. Auf einer Welle waren die ganzen Schallplatten montiert. Der Tonarm bewegte sich auf einer Schiene vor den Platten und suchte sich die entsprechende Platte aus. Alle Platten drehten sich bei Musik also gleichzeitig. Irgendwann streikte der Apparat, nichts ging mehr. Hannes rief Peter und sagte, "Faß mal an. Und nun: Hochheben" (sie hoben die ganze Box ca. 25 cm hoch). Und jetzt? "Loslassen !" Die Box krachte zu Boden, die Walze mit den Platten hakte auf einer Seite aus und saß nun schräg in der Musikbox. Nun ging gar nichts mehr! Bormanns Vadder wurde verständigt: "De Musikbox wel nicht mehr." Darauf sagte er: "Denn möt wie den Strom utschalten!" Dies geschah und den Rest der Feier wurde die Musik durch Gesang ersetzt Als der schmierige Löffel (offiziell Osmers Sommergarten) noch nicht von den Campern entdeckt worden war, fuhren wir oft abends mit dem Boot von Dreye aus dort hin zum Bratkartoffelessen. Nirgends gab es so herrliche Bratkartoffeln wie dort! Auch sonntags abends kehrten wir meistens dort ein um das eine oder andere Bier zu trinken. Einmal bestellte Helmut sich ein Kotelett und machte den Fehler, es gleich zu bezahlen. Während er sich auf dem Stuhl umdrehte, um mit dem Wirt abzurechnen, machte das Kotelett einmal die Runde und nur der Knochen landete wieder auf Helmuts Teller. Helmut war sehr erstaunt und meinte: "Die Koteletts werden hier auch immer kleiner."

In den 60er Jahren war die alte Kiesgrube in Bollen ein beliebtes Wochenendziel. Man konnte dort schön ruhig liegen, man konnte gut baden, die Kinder spielten im Sand und abends wurde so manches zünftige Lagerfeuer gemacht. Wie oft haben wir rund um die alte, dort festgemachte Fähre gelegen und nach Akkordeonmusik getanzt. Eines Spätnachmittags war fast die ganze Mannschaft am Baden und es wurde wild getobt. Plötzlich ein Schrei: "Mein Gebiß ist weg!" (Niemand hatte geahnt, daß wir so einen jungen Gebißträger unter uns hatten). Jetzt waren die Tauchexperten gefragt, aber es nützte alles nichts, kein Erfolg. Hinni saß in seinem Cockpit und aß mit Trudel sein Abendbrot. Er ist ein großer Angler vor dem Herrn und mit großem Geschirr bestens ausgestattet. Er holte seinen Käscher, verlängerte den Stiel mit einem Bootshaken und zog das Gerät über den Grund. Im Käscher befanden sich ca. 20 cm Schlick. Alles starrte auf den zweiten Versuch. Hinni zog wieder kräftig durch und holte den Käscher vorsichtig hoch. Wieder Schlick, aber da, oben drauf lag das rosafarbene Gebiß. Peter stürzte sich auf den fehlenden Teil seines Eßzimmers, spülte es im Wasser kurz ab und rein damit an seinen Platz. Dann ein glücklicher Schrei: "Annegret, ich hab es wieder!"



Lagerfeuer in der Kiesgrube. Ein idyllischer Platz, eine Seite Wasser, eine Seite Wiese, die dritte Seite Schilf, Reet und meterhohe Brennesseln. Plötzlich gegen später rauscht es im Schilf und in den Nesseln. Ein Mann betritt den Schein des Lagerfeuers. Seine Hose hat er sauber auf Bügelfalten gelegt über dem Arm, sonst trägt er Unterhose, Hemd und Schuhe. Höflich fragt er uns nach dem Weg zum nahegelegenen Campingplatz. Nachdem wir uns von unserer Verblüffung erholt haben, zeigten wir ihm den nächsten Weg, aber nicht durch die Brennesseln.

Seit Jahren macht eine Crew von 20 Mann eine Herbstreise auf einem alten Frachtsegler auf dem Ijsselmeer und in den Watten nach Holland. 19 Mann genießen das Segeln, nur Karl der Koch findet es fürchterlich, vor allem, wenn wir Lage schieben. Für ihn gilt nur das Kochen, sonst würde er nicht mitfahren. Von dieser Einstellung profitiert der Rest der Mannschaft.

Zu seiner Kochmontur trägt Karl weiße? Latschen. Er hängt sehr an ihnen, denn es wurde festgestellt, daß beide Latschen in den Sohlen große Löcher haben und die weißen Socken dementsprechend schwarze Stellen. Idee: Wir kaufen ihm neue Schuhe und schenken sie ihm zum Ende der Reise. Aber wer garantiert uns dann, daß er die alten Mauken auch wegwirft? Laßt Euch etwas einfallen!

Die Schuhe wurden gekauft. Mitten auf dem Ijsselmeer bei Sonnenschein und einer leichten Brise versammelte sich die Mannschaft an Deck, nur ein Platz auf dem Kajütendach ist noch frei. Hier muß man die Beine baumeln lassen. Der Koch wird an Deck gebeten und nimmt auf dem einzigen freien Ort Platz. Zunächst beschwert sich Wolf über das schlechte Essen (was natürlich nicht stimmt) und überhaupt würde uns sein Aussehen nicht gefallen. Dann zog er ihm einen Latschen vom Fuß und schmiß ihn in hohem Bogen über Bord. Karl jammert, was er nun noch mit einem Schuh machen solle und feuerte den zweiten Latschen hinterher. Eine Stimme bemerkte: "Nun beginnt im Ijsselmeer das große Fischsterben!" Daß Karl fürchterlich schnarcht, wußten wir alle, aber ob er auch Schweißfüße hat, war bis jetzt nicht festzustellen. Dies alles liegt Jahre zurück, aber wir haben den Verdacht, daß Karl die von uns geschenkten Latschen heute noch trägt.

Es geschah Ende der 80er Jahre in Lemmer. Das Charterschiff mit 17 Wikingern an Bord hatte festgemacht und nach dem Aufklaren zerstob die Crew in alle Himmelsrichtungen. Lemmer mußte erkundet werden. Nur die Küchengang blieb zur Vorbereitung des Abendessens mit dem "vereinseigenen" Koch, Karl genannt, zurück. Später nach dem Essen bemerkte einer, daß er ein originelles Lokal entdeckt habe, mit einer langen Theke, an der die ganze Besatzung Platz hätte. Nun war die Neugier geweckt und alles marschierte neugierig in Richtung Kneipe. Die Vorfreude auf ein frisches Bier stand ihnen deutlich ins Gesicht geschrieben.

Angekommen wurde die erste Runde geordert und alle staunten über das Tempo, mit dem die Wirtin die Gläser randvoll zapfte: 63 Sekunden! Wenig Schaum aber eben sehr schnell und gut voll. Fast so schnell waren die Gläser auch wieder leer. Doch irgend etwas war anders als sonst. Alle spürten es. Ein Gast schlich sich vorsichtig an einen der Außenstehenden heran und stellte fest: "Wie Freigänger aus dem Knast seht ihr eigentlich gar nicht aus." Der Angesprochene war perplex: "Wie soll ich das denn verstehen?" Es klang nicht sehr freundlich. "Nun, der da hinten hat heute Nachmittag erzählt, ihr würdet heute erstmals an Land dürfen, wegen guter Führung und so." "Der da hinten" hatte einige schwierige Minuten zu überstehen; aber mit Bier sind schon viele Wogen geglättet worden.
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